Wenigstens Tina ist noch gerettet worden

Oberwiesenthaler DRK-Bergwächter von Einsatz in Nachterstedt zurück – Sie ist eine von zwei Bergrettungskatastrophengruppen in Sachsen

Nachterstedt/ Oberwiesenthal. Die Oberwiesenthaler Bergwacht hat in Nachterstedt Leben gerettet. Wenn auch nicht das der verschütteten Menschen, so doch wenigstens das von Tina, einem Jack-Russel-Terrier. »Die Familie war glücklich, als wir ihr am Freitagnachmittag den verloren geglaubten Hund übergeben haben«, erzählt Jörg Escher. Der Chef der Bergwacht war vergangene Woche zur Stelle des Bergrutsches beordert worden. Am Wochenende ist er mit seinen Helfern heimgekehrt.

Mit einer Kastenfalle holten sie den Terrier aus dem Schlamassel. »Wir hatten an einer Futterstelle erkannt, dass ein Tier da gewesen sein muss. Also haben wir die Falle abgeseilt. Es hat funktioniert«, erzählt der Einsatzleiter, der nach dem Packen am Mittwoch mit dem Kleintransporter, der sonst als Rettungswagen dient, nach Sachsen-Anhalt gedüst war.

Doch nicht wegen des Hundes eilten er, Anton Porstmann, Sebastian Groß, Andy Neubert und Frank Preßler an die Unglücksstelle. »Nein, wir sollten in der Erdrutschregion andere Helfer unterstützen und sichern. Eine Rettung der Verschütteten war ja leider nicht mehr möglich«, erzählte Escher. Die Erzgebirger wurden deshalb angefordert, weil sie neben den Sebnitzern die einzige Bergrettungskatastrophenschutzgruppe in Sachsen sind. Ihre konkrete Aufgabe war es beispielsweise, Fixseile auszulegen. »Das sind Statiktaue, an denen sich die Leute anschnallen. Damit konnten wir Experten verschiedener Gebiete, Mitarbeiter vom Bergamt, Geologen und Sachverständige im abgesperrten Bereich begleiten und hätten sie bei einem möglichen Ernstfall retten können. Am Freitag haben wir dann noch Messpunkte mit Lasertechnik aufgebaut. An diesen erkennen die Fachleute, ob sich noch etwas bewegt«, erklärt Escher.

“Der Einsatz zeigt, wie schnell wir auch für vermeintlich bergwachtuntypische Unglücksfälle benötigt werden können. Unsere Spezialausbildung und unser Wissen machen es möglich”, war der 45-Jährige auch etwas stolz auf die Oberwiesenthaler. Doch er musste ebenso erkennen, dass im Katastrophenfall nicht alles funktioniert. »Es klemmt am Geld für Spezialausrüstung. So hatten wir keine Schutzkleidung fürs Arbeiten mit der Motorsäge. Freigestellt wurden auch nicht alle vom Dienst. Anton Porstmann, der in München bei der Berufsfeuerwehr arbeitet, nahm Urlaub«, merkt Escher kritisch an. “Bei Frank Preßler, der in Chemnitz Berufsfeuerwehrmann ist, ging dies ebenso wie bei den anderen hingegen problemlos. »Im Ernstfall aber seien alle für professionelle Hilfe dankbar. Escher: “Deshalb müssen wir uns stets auf dem neusten Wissens- und Technikstand halten.«

Freie Presse erschienen am 27.07.2009 (Von Thomas Schmidt) – Foto: Bergwacht

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