Rekord: Bergwacht bildet zehn Neueinsteiger am Fichtelberg aus

Der Schnee war in dieser Saison Mangelware – auch in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands. Doch nicht nur deshalb war sie für die Bergretter außergewöhnlich.

Fünf der Anwärter bei der Bergwacht in Oberwiesenthal: Anja Baumheier, Tristan Lißner, Lars Stankus, Felix Ullmann und Robert Klöden (von links). Sie machen sich während ihrer mindestens zweijährigen Ausbildung auch mit der umfangreichen Technik der Bergretter vertraut.

Fünf der Anwärter bei der Bergwacht in Oberwiesenthal: Anja Baumheier, Tristan Lißner, Lars Stankus, Felix Ullmann und Robert Klöden (von links). Sie machen sich während ihrer mindestens zweijährigen Ausbildung auch mit der umfangreichen Technik der Bergretter vertraut. (Foto: Bernd März)

Oberwiesenthal. Die Bergwacht in Oberwiesenthal zählt gegenwärtig 45 Mitglieder. Zehn davon sind Anwärter – sie haben in dieser Saison ihre Ausbildung begonnen. Eine Zahl, die “außergewöhnlich gut” ist, wie Anton Porstmann sagt. Er zeichnet bei der Bergwacht für die Ausbildung verantwortlich. Diese dauert mindestens zwei Jahre und kann sich maximal auf vier Jahre ausdehnen.

Motiv bei allen fast gleich

Zu den zehn Anwärtern gehört unter anderem Anja Baumheier aus Oberwiesenthal. Seit 2002 bereits im Jugendrotkreuz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aktiv, war es für die 17-Jährige selbstverständlich, dass sie diesen Weg weiter geht – parallel zu ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. “Einerseits ist es eine vielfältige Ausbildung”, sagt sie selbst zu ihren Beweggründen. Andererseits bewege sie sich gern in der Natur und fahre gern Ski. Hobbies, die sich mit der Ausbildung bei der Bergwacht durchaus verbinden lassen.

Eine Motivation, die so oder ähnlich auch für alle anderen gilt – in Verbindung mit dem Wunsch, anderen Menschen zu helfen: für den 17-jährigen Schüler Tristan Lißner aus Oberwiesenthal ebenso wie für den 39-jährigen selbstständigen Maschinenbauingenieur Lars Stankus aus Lengefeld beispielsweise oder den 24-jährigen Felix Ullmann aus Geyer, der seine Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert. “Einer unserer Anwärter kommt sogar aller drei Wochen aus der Sächsischen Schweiz”, berichtet Anton Porstmann. Altersmäßig sei die Gruppe ebenso bunt gemischt wie von den Berufen her. Da reiche die Palette von A wie Autoschlosser bis Z wie Zimmermann – aber auch Beamte und Lehrer zum Beispiel seien mit dabei.

Sie alle erfüllen die Voraussetzungen für eine Ausbildung bei den Bergrettern: Sie sind körperlich und geistig geeignet und kennen sich sowohl im Langlauf als auch im alpinen Bereich aus, erläutert Anton Porstmann. Das notwendige fachliche Wissen eignen sie sich in den nächsten Monaten an, unter anderem in der etwa 100 Stunden umfassenden Sanitätsausbildung. Dazu kommen alle notwendigen rettungsspezifischen Sachen, wie zum Beispiel das Abfahren mit den entsprechenden Rettungsgeräten.

Ein Schwerpunkt: die Seiltechnik

Als einen Schwerpunkt nennt Anton Porstmann den Umgang mit der Seiltechnik. Darauf sei speziell in den zurückliegenden Jahren viel Augenmerk gelegt worden. So hatte es im Sommer dieses Jahres zum Beispiel erstmals eine gemeinsame Übung der Bergwacht Oberwiesenthal und den Kameraden des Bergbau- und Höhenrettungszuges der Stadtfeuerwehr Annaberg-Buchholz gegeben. “In Zukunft wollen wir solche Übungen halbjährlich ansetzen”, kündigt Anton Porstmann an. Bleiben doch für die Rettung von Passagieren bei einem möglichen Seilbahnunglück maximal 120 Minuten vom Stillstand der Bahn bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich der letzte Fahrgast in sicherem Gelände befindet. Für eine solche Situation werde zurzeit ein Alarm- und Bergeplan erarbeitet, der auch alle umliegenden Bergwachten integriert.

Unterdessen sind die zehn Anwärter während ihrer praktischen Ausbildung in die drei Einsatzgruppen der Bergwacht integriert, die den Dienst auf Sachsens höchstem Gipfel absichern. “Dort können sie am besten Erfahrungen sammeln”, argumentiert Anton Porstmann.

 Bergwacht 2013 – ein Ehrenamt in ZahlenDie Bergwacht in Oberwiesenthal zählt momentan 35 aktive Mitglieder und 10 Anwärter in Ausbildung. Insgesamt wurden von den Bergrettern am Fichtelberg im vorigen Jahr 7476,5 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, verrät ein Blick in die Statistik. Das entspricht durchschnittlich 207,7 Stunden pro Mitglied.

Ein Teil davon machen insgesamt 2305 Schulungs- beziehungsweise Fortbildungsstunden aus. Auch das ergibt mehr als 60 Stunden pro Person, rechnet Ausbildungsleiter Anton Porstmann vor. 1598 Stunden stehen für Arbeitseinsätze zu Buche. Für die Aus- und Weiterbildung sowie für die Absicherung der Dienste sind die Mitglieder laut Statistik insgesamt 14.407 Kilometer mit ihren privaten Fahrzeugen gefahren.    erschienen am 21.03.2014 ( Von Antje Flath )

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