Oberwiesenthal: Acht Passagiere aus Sessellift am Fichtelberg befreit

Am Freitag soll die Anlage wieder betriebsbereit sein

Die Fahrt hinauf auf den Fichtelberg hat sich für acht Skifahrer am Donnerstagvormittag zu einer wahren Odyssee entwickelt. Anstatt schnell auf die Piste zu gelangen, mussten sie sich in Geduld üben. Daran war plötzlich einsetzender Eisregen schuld. Er sorgte dafür, dass beim Vierer-Sessellift sprichwörtlich nichts mehr ging und die Skifahrer mehrere Meter unterhalb der Bergstation zwischen Himmel und Erde festsaßen.

“Das ist so noch nie passiert. Die oberen Sessel sind ähnlich wie ein Auto bei Aquaplaning durchgedreht und die nachfolgenden aufgefahren”, erläuterte Nadja Rauscher von der Liftgesellschaft Oberwiesenthal die Situation. Dazu gekommen sei es, weil die Kupplungsscheiben der Sessel mehr oder weniger eingefroren sind. Als das Dilemma festgestellt wurde – das war etwa gegen 9.30 Uhr – sei zunächst versucht worden, das Eis zu entfernen und die Anlage wieder in Gang zu setzen. “Dabei haben auch Mitarbeiter von uns technische Hilfestellung gegeben”, sagte René Lötzsch, Geschäftsführer der benachbarten Fichtelberg Schwebebahn. Das habe alles aber nichts genützt. Deshalb wurden die Bergwacht und die Feuerwehr alarmiert, um die Betroffenen rasch aus den Gondeln zu befreien.

Dieses Szenario ist in der Vergangenheit schon mehrfach geübt worden. Nun erlebten die Retter den Ernstfall – und meisterten ihn ohne Probleme, wie Sebastian Groß von der DRK-Bergwacht einschätzte. “Zum Glück hatten wir es nur mit acht Personen zu tun, die sich zu dem Zeitpunkt im Lift befanden”, sagte er.

Innerhalb von rund einer Stunde konnten alle acht Lift-Insassen unverletzt geborgen werden. Das passierte, indem sich die Bergretter über das Seil zu den Sesseln vorarbeiteten und dann die darin Festsitzenden einzeln zu Boden abseilten. In dem Fall am Donnerstag am Fichtelberg waren dabei zirka 15 Höhenmeter zu überwinden. “Weil sich alle kooperativ zeigten, auch niemand in Panik geraten ist, verlief alles ziemlich reibungslos”, erklärte Groß. Die einzigen den Einsatz behindernden Komponenten seien Nebel und Regen gewesen.

Auch wenn die Bergung in einer verhältnismäßig kurzen Zeit über die Bühne gegangen ist, waren die Betroffenen angesichts der Witterung doch etwas ausgekühlt. “Alle Acht wurden deshalb sofort nach ihrer Befreiung aus dem Sessellift von Mitarbeitern des Rettungsdienstes untersucht. Anschließend ging es in das Fichtelberghaus, in dem auf jeden eine warme Mahlzeit wartete”, schilderte Sebastian Groß. Organisiert hatte das die Feuerwehr Oberwiesenthal.

Der Betrieb des Vierersessellifts wurde nach dem Vorfall für den gestrigen Tag komplett eingestellt. “Wir müssen jetzt erst einmal alles überprüfen”, erklärte Chefin Nadja Rauscher. Sie geht aber davon aus, dass schon am Freitag der Fahrbetrieb ohne Probleme wieder aufgenommen werden kann.

536 Einsätze geleistet

Die DRK-Bergwacht Sachsen musste im vergangenen Jahr zu 536 Einsätzen ausrücken. Den Schwerpunkt dabei bildete mit 487 Einsätzen das Erzgebirge.

Die Zahl der Wintereinsätze 2012 belief sich auf insgesamt 435. Davon waren 222 Ski-, 141 Snowboard-, 37 Rodel- sowie 35 Langlaufunfälle.

Die Einsätze im vergangenen Jahr wurden von 660 Angehörigen der sächsischen Bergwacht aus 11 sächsischen DRK-Kreisverbänden abgesichert.

erschienen in FREIE PRESSE am 03.01.2013 von Thomas Wittig
Bildnachweis: alle Bilder Bernd März

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