Mehr Sicherheit für Wintersportler

Sachsens Bergwachten erhalten neues Mobilrufsystem mit Satellitenortung

Chemnitz/Oberwiesenthal. Für die 650 Angehörigen von Bergwachten des DRK in Sachsen ist die Hochsaison in vollem Gange. Obwohl in diesem Winter der Saisonstart einen Monat später erfolgte als vor einem Jahr, gab es in den vergangen zwei Wochen schon alle Hände voll zu tun. Denn die Naturschneeauflage ist eher gering. Dauerregen und anschließender Frost zum Jahreswechsel haben die Abfahrtshänge in harte Pisten verwandelt und der seither gefalle Neuschnee gehe mit dem harten Untergrund keine Bindung ein, beklagt der Leiter der größten Bergwacht in Oberwiesenthal, Jörg Escher, das Problem, das allen Bergwächtern Sorgen bereitet. Die Unfallgefahr sei deutlich erhöht.

In der vergangenen Saison musste die Skiwacht, die 13 Stationen zwischen Altenberg und Schöneck besetzt, 569-mal zu Einsätzen ausrücken. In diesem Winter wurden die Retter an den Hängen des Fichtelbergs bisher fast 100-mal zu Hilfe gerufen. Auch das im Dezember in Betrieb genommene neue Raupen-Quad habe bereits die ersten Einsätze hinter sich. So half es, einen Fußgänger zu retten, der an einer abgelegenen Stelle auf einem vereisten Weg gestürzt war. “Wir wären mit keinem anderen Fahrzeug dort hingekommen”, sagte Escher.
Zu den Neuerungen dieses Winter gehört ferner, dass sich Skifahrer und Wanderer vor Tourantritt ein GPS-Ortungsgerät bei den Bergwachten ausleihen können. Es hilft im Falle eines Unfalls oder wenn sich jemand verirrt, schnell Hilfe zu leisten. Das Gerät ist so klein wie ein Handy und besitzt einen Notruf-Knopf. Wird dieser gedrückt, bekommt die Zentrale des Hausnotrufdienstes des DRK in Leipzig nicht nur ein entsprechendes Signal, sondern auch die geografischen Daten des Hilfe Suchenden übermittelt. “Wir geben den Unfallort mit dem exakten Länge- und Breitengrad dann zur Bergwacht einschließlich eines Kartenausschnittes von der Unfallstelle”, erläutertAlexander Koch vom DRK-Hausnotrufdienst.

Einziger Nachteil: das Ortungsgerät funktioniert nur dort, wo auch Satelliten- beziehungsweise Handyempfang besteht. Aus so genannten Funklöchern wird nur die letzte erfasste Position übermittelt. Die Leihgebühr pro Tag beträgt zehn Euro. Nach einer Probephase sollen laut Koch bis zum Beginn der Winterferien etwa 50 solcher Geräte an die 13 Bergwachten in Sachsen verteilt werden.
Jörg Escher von der Bergwacht Oberwiesenthal besitzt eines der Ersten. “Es ist vor allem dort eine Hilfe, wo Ortsunkundige oder auch ganze Schulklassen zu einer ausgedehnten Fuß- oder Skiwanderung aufbrechen.” Das DRK, unter dessen Dach die Bergwächter größtenteils ehrenamtlich arbeiten, sieht aber noch mehr Einsatzmöglichkeiten für die GPS-Geräte. Sie könnten auch an aktive Senioren, Reitsportler, Bergwanderer, Segler und Radfahrer ausgeliehen werden.

Zufrieden zeigen sich die Bergwachten damit, dass inzwischen fast jeder zweite Skifahrer mit Helm die Pisten hinab düst. “Da es keine Pflicht gibt, ist das ein gutes Resultat”, meint Ronny Meisel von der Bergwacht Carlsfeld. Allerdings sei auffällig, dass eher die Profis Helme tragen. “Die nicht so versierten Fahrer, die nur paar Tage Urlaub im Gebirge machen, glauben leider noch zu oft, dass sie keinen Helm brauchen.” In der vergangenen Saison habe ein Umdenken eingesetzt. Da mussten bei Skiunfällen in ganz Sachsen nur noch 29 Kopfverletzungen behandelt werden. Im Jahr davor war die Zahl noch fast doppelt so hoch.

Freie Presse erschienen am 06.01.2010 (Von Gabi Thieme) – Foto: Wolfgang Thieme

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