Eine Saison mit »Althaus-Effekt«

Zahl der Skiunfälle konstant – Weniger Kopfverletzungen

Oberwiesenthal. 369 Unfälle hat Bergwacht-Chef Jörg Escher in der abgelaufenen Wintersaison auf den Oberwiesenthaler Skipisten registriert. »Damit zeigt sich, dass wir uns wohl mit diesem konstant hohen Niveau abfinden müssen«, sagte er am Mittwoch. Denn in den vergleichbaren Wintern 05/06 und 07/08 waren es mit 370 und 373 Einsätzen nahezu gleich viele. Dennoch glaubt Escher, dass es besser wird. »Es werden immer mehr Leute auf den Berg befördert, in der abgelaufenen Saison etwa 3 Millionen. Wenn dann die Zahl der Unfälle nahezu konstant bleibt, nimmt sie im Verhältnis ab«, rechnet er vor.

Dies zeige sich daran, dass am Fichtelberg auf rund 10.000 Ski- und Snowboardfahrer ein Verletzter entfällt. Früher sei dies im Schnitt einer bei 8000 gewesen. Dennoch: Im Vergleich zu anderen Skigebieten in Deutschland, in denen durchschnittlich einer von 13.000 Beförderten verunglückt, liege Oberwiesenthal immer noch höher. Escher sieht die Ursache dabei nicht auf der Piste: »Die war in diesem Winter gut wie nie, stets präpariert. Offenbar sind aus der Vergangenheit die richtigen Schlüsse gezogen worden.« Viel mehr liege die Häufigkeit im Klientel. »In unser Gebiet kommen oft weniger geübte Ski-Urlauber. Deshalb passieren ihnen natürlich auch mehr Unfälle.«
Mit Genugtuung beobachtet der Bergwacht-Leiter deshalb auch den »Althaus-Effekt«. Nach dem tragischen Zusammenprall des thüringischen Ministerpräsidenten mit einer Frau, die dabei am Neujahrstag in Österreich ums Leben kam, seien viel mehr Skifahrer mit Helm unterwegs. »Sicher auch deshalb haben wir im Vergleich zur Vorsaison statt 53 nur 32 Schädelverletzungen gezählt«, begründet es Escher. Steigend seien hingegen Verstauchungen, Knieverletzungen- und Unterschenkelfrakturen. »Möglicherweise liegt dies an den taillierten Skiern. Vielleicht aber auch an unseren nicht so gut ausgebildeten Gästen. Genaue Studien gibt es dazu nicht«, berichtet er.

Hinsichtlich der Häufigkeit habe sich auf den Hängen kein Schwerpunkt herauskristallisiert. »Anfangs dachten wir, dass es ein Unfalljahr wird. Bis zum 8. Januar mussten wir bereits 131-mal ausrücken. Dann hat sich zum Glück vieles normalisiert. Auch in Bezug auf die Rodler, die uns zunächst Sorgen bereiteten«, zieht Escher Bilanz. Dennoch mussten er und seine Helfer mit den Motorschlitten 278-mal ins Gelände, um zu helfen. 144 Verletztentransporte ins Annaberger Klinikum folgten. 8-mal landete sogar ein Rettungshubschrauber, um Verunglückte auszufliegen. »Aber wenigstens gab es keinen Todesfall«, zieht er für den Winter 2008/2009 sein Resümee.

Freie Presse erschienen am 15.04.2009 (Von Thomas Schmidt)

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