Bergwacht kann kaum Luft holen

Bis Donnerstagabend bereits 131 Unfälle in der laufenden Skisaison – Karambolagen mit Schlitten nehmen zu

Oberwiesenthal. Die 32 Einsatzkräfte der Bergwacht Oberwiesenthal haben in diesem Winter straff zu tun. Bis Donnerstagabend mussten sie laut Leiter Jörg Escher genau 131-mal ausrücken, um zu helfen. Zum Glück gab es keinen Todesfall, aber bereits viermal forderte Escher den Rettungshubschrauber an. »Das ist viel in der kurzen Zeit. Vor allem seit Weihnachten ging die Zahl der Unfälle sprunghaft hoch. Innerhalb von 10 Tagen hatten wir 90«, berichtet der 44-Jährige. Und: »Mit der Häufigkeit der Einsätze hält unsere technische Ausrüstung nicht mit.«
Laut Bereichsplan stünden seiner Bergwacht, die dem DRK angehört, drei Motorschlitten zu. “Wir haben aber nur zwei. Deshalb sind wir an Grenzen gestoßen, haben uns zeitweise nur wenig um die Verletzten kümmern können. Vom Berg holen, “ablegen”, Rettungsauto anfordern – und wieder rauf auf den Hang zum nächsten”, skizziert er die leidige Situation, die meist an den Wochenenden auftritt.

In deutschen Wintersportgebieten liege das Verhältnis zwischen Beförderten und Verunglückten bei 16.000:1, in O’thal bei 8000:1. »Wir haben im Verhältnis zum Durchschnitt also fast doppelt so viele Unfälle zu verzeichnen«, sagt Escher. Er glaubt, dass ein Grund darin liegt, dass zum Fichtelberg viele Skifahrer kommen, die sich leistungsmäßig im Anfängerstadium befinden.

Sorgen bereitet ihm, dass derzeit viele Verletzungen auf Rodler zurückzuführen sind, zehn sind es bisher. »Dabei haben die nichts auf den Skihängen zu suchen. Denn laut den Juristen dürfen nur, kantengesteuerte Pistengleitgeräte’ in den Alpinbereich«, erklärt Escher. »Viele verkennen die Gefahr, selbst auf den separaten Rodelbahnen. Manche lassen ihre Kinder gar umgebremst in die Fangzäune rasen, betrachten das wohl als Gaudi.«

Dass Schlittenunfälle zunehmen, bestätigt Bertram Preuß. Laut Geschäftsführer des Erzgebirgsklinikums sind vom 22. Dezember bis zum Jahreswechsel 1005 Personen in Annaberg behandelt worden. »Davon 124 nach Skiunfällen. Von den Verunglückten mussten wir 24 stationär einweisen. Überwiegend handelte es sich um Prellungen und Frakturen in Hand- und Sprunggelenken. Die durchs Rodeln nehmen zu«, sagte Preuß.
Seit 22. November sind am Fichtelberg Lifte und Seilbahn in Betrieb. Escher lobt, dass das, was hinsichtlich der Sicherheit machbar sei, getan wurde. Zäune etwa, die beim Kreuzen oder Einmünden auf Pisten, die Einschwenkrichtung vorgeben, um Unfälle zu vermeiden. Ob es allerdings weniger als die 373 Unfälle des Vorwinters werden, scheint eher fraglich. Erpicht auf einen neuen Rekord ist diesbezüglich am Fichtelberg niemand. Statistik

Freie Presse erschienen am 08.01.2009 (Von Thomas Schmidt)

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