Bergretter rücken 277-mal zum Einsatz aus

Eine durchschnittliche Saison bilanziert die Bergwacht Oberwiesenthal

Oberwiesenthal. Genau 277-mal wurden die 25 Bergretter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an den 105 Skitagen in der zu Ende gegangenen Saison zu Unfällen gerufen. Damit ist die Zahl der Einsätze im Vergleich zur vorangegangenen Saison leicht gestiegen, bilanziert Pressesprecher Sebastian Groß. Für den Winter 2010/11 weist die Statistik an 121 Skitagen 249 Einsätze aus. Mit Blick auf die vergangenen Jahre spricht Sebastian Groß aber von einem “durchschnittlichen” Winter: “Die Zahl liegt im Bereich des Mittelwertes der Unfallzahlen aus den zurückliegenden 40 Jahren.”

Schwere Unfälle seien nicht zu verzeichnen gewesen. “Die häufigsten Verletzungen waren wie eh und je Prellungen und Verstauchungen”, fasst Sebastian Groß zusammen. Sorge bereite den Einsatzkräften aber die zunehmende Zahl der Unfälle bei Kindern. Ein Trend, der aber aus Sicht des DRK nicht mit Leichtsinn der Eltern oder anderen Unzulänglichkeiten zu erklären sei, sonder vielmehr mit dem gestiegenen Aufkommen an Schulklassen in Sachsens beliebtestem Wintersportgebiet. Dabei müsse durch die Lehrer beziehungsweise Betreuer jede noch so kleine Verletzung ärztlich abgeklärt werden, erläutert der Pressesprecher die Hintergründe dieser Entwicklung.

Unterstützung haben die Bergretter des DRK in der zurückliegenden Saison zum zweiten Mal von der Johanniter-Unfallhilfe erhalten. Der Verein betreut auf etwa 840 Metern die vermutlich höchstgelegene Rettungswache in Sachsen als Außenstelle der Rettungswache in Bärenstein. Jeweils zwei Einsatzkräfte besetzen den Rettungswagen im Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb. Insgesamt sind im jüngsten Winter 223 Einsätze gefahren worden, resümiert Jörg Nestler. Das seien “einige mehr” als im Vorjahr. Bei dem weitläufigen Einsatzgebiet – das vom Sehmatal, über Hammerunterwiesenthal und Oberwiesenthal selbst bis nach Tellerhäuser reicht – könne ein Rettungswagen durchaus auf 45.000 Kilometer pro Jahr kommen. “Wenn die Patienten in die Kliniken nach Annaberg-Buchholz, Aue und Erlabrunn gebracht werden, sind die Kollegen nicht selten 50 Kilometer unterwegs”, sagt Jörg Nestler. Das herausragende Ereignis in der Saison sei die Weltmeisterschaft der Senioren im Skilanglauf gewesen. “Hier galt es nicht nur Patienten nach traumatischen Ereignissen zu betreuen, sondern auch diverse Fälle von internistischen Erkrankungen zu behandeln und den richtigen medizinischen Versorgungseinrichtungen zuzuführen”, blickt Jörg Nestler auf die ereignisreichen Tage im März zurück.

Kilometer gezählt hat man bei der Bergwacht in Oberwiesenthal nicht. Zumal die Rettungswagen nicht das einzige Transportmittel sind. Braucht der Rettungsdienst auf dem Straßenweg länger als der Rettungshubschrauber, kommt dieser zum Einsatz, so Sebastian Groß. Das sei vielen Einsätzen des Helikopters sogar eher die Regel, was nicht bedeutet, dass es sich um schwere Unfälle handelt, wie von Außenstehenden oft vermutet. Fünfmal sei der fliegende Rettungstransporter im Winter am Fichtelberg gelandet.

Freie Presse erschienen am 08.05.2012 (Von Antje Flath)

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