Aufregung, Schweiß und Kunstblut – Winterprüfung der Bergwacht Sachsen in Oberwiesenthal

„Das wäre geschafft.“ Mit einem Lächeln im Gesicht kommt Susann müde aus dem Wald. Gerade hat sie zusammen mit 6 weiteren Kameradinnen und Kameraden einen verunfallten und unterkühlten Wanderer mit zwei gebrochenen Handgelenken aus sehr steilem Gelände mitten im Oberwiesenthaler Wald geborgen. Das dies eine schwere Aufgabe war, sieht man ihr an.

Schon an den beiden Tagen zuvor war ihr Wissen und Können und das von 15 weiteren Bergwachtanwärtern gefragt. 30 theoretische Fragen rund um Medizin und Bergwachttechnik und -taktik, im Anschluss gleich noch eine Prüfung zu bergwachtrelevanten Knoten und das an einem Freitag Abend – ein Auftakt der schon mal viel Konzentration von allen gefordert hat. Aber die Theorieprüfung bestehen alle- viele sogar mit fast voller Punktzahl.

Der nächste Morgen bringt strahlend blauen Himmel bei heftigen Minusgraden. Genau das richtige um sich etwas zu bewegen. Fitnesstest ist angesagt und dieser wird per Langlauf absolviert. Eine Strecke von 5 km in maximal 30 Minuten ist zu bewältigen. Es wird gekämpft bis zum Schluss, der Sieger per Fotofinish ermittelt!

Dann geht es an die konkrete Winterrettung- Abfahren mit den Rettungsgeräten Pulka und Ackja, Unfallstelle absichern, Patientenkontakt, Erstuntersuchung, Versorgung und Umlagern des Patienten, einschließlich Abtransport über die Piste.

Parallel dazu stellen die Prüflinge ihr alpines Skifahrerkönnen unter Beweis. Als Abschluss dieses Tages bauen immer 2- Mann Teams noch einen Standplatz, ein wichtiger Baustein in der Seiltechnik und Seilrettung. Es wird schon langsam dunkel, als die letzten Anwärter dieses „Prüfungsfeld“ verlassen.

 

Doch der Samstag ist damit noch nicht zu Ende. Nach einem stärkenden Abendbrot bereiteten sich 2 Mannschaften mit jeweils 7 Leuten auf den Sonntag vor. Dieser sah einen fiktiven Einsatztag vor. Am Morgen des Sonntages dann auch schon entsprechende Aufregung. Denn es wird einen Einsatz für die beiden Gruppen geben. Welche Herausforderungen er parat hält, weis zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

8.50 Uhr: Die fiktive Leitstelle meldet sich bei der ersten Gruppe. Ein Wanderer wird vermisst, nähere Angaben fehlen nur ein paar Koordinaten und Himmelsrichtungen stehen zur Verfügung. Mit der Karte und dem Kompass muss der Unfallort aufgesucht werden.

Die zweite Gruppe erhält ihren Einsatz um 9.00 Uhr und bekommt es mit einer Anruferin zu tun, die Hilferufe aus dem Wald hört. Mit Rückfragen muss ihr Standort rückverfolgt werden. Die Gruppe beschließt die Anruferin zu treffen.

 

   

Am vermeintlichen Einsatzort warten derweil die Prüfer und zwei mit viel Kunstblut versehene Mimen auf das Eintreffen der beiden Gruppen, was auch sehr zügig gelingt. Fast gleichzeitig beginnen die Gruppen mit den Bergungen. Die Seiltechnik kommt im sehr steilen und teilweise vereisten Gelände zum Einsatz. Konzentration ist gefragt. Beiden Gruppen gelingt in relativ kurzer Zeit die Bergung und der Abtransport zur Bergwachtstation. Dort wartet schon der bestellte Notarzt. Eine kurze Übergabe, Material zusammenräumen, geschafft!

Müde, aber glücklich wartet Susann mit den anderen Prüflingen aus den Bergwachten Geising, Holzau, Oberwiesenthal, Schöneck und Klingenthal auf die Auswertungen und den Abschluss. Wenige Minuten später haben sie und 10 Andere ihren Dienstausweis in der Hand. Bei drei Prüflingen hat es an diesem Wochenende noch nicht ganz gereicht. Eine Nachprüfung in der nächsten Zeit sollte hier aber auch dann das Bestehen möglich machen.

   

Susann und alle anderen erfolgreichen Prüflinge können nun in den jeweiligen Bergwachten als vollwertige Bergwachtkameraden und –kameradinnen ihren Dienst antreten. Dafür wünschen wir immer viel Kraft, Durchhaltevermögen und gutes Gelingen. „Es ist schön als aktive Einsatzkraft jetzt Dienst machen zu können. Dennoch sehe ich meine Ausbildung als noch nicht abgeschlossen, möchte mich weiterentwickeln, qualifizieren und weitere Aufgaben in der Bergwacht übernehmen. Ein großes Dankeschön an die Ausbilder der Bergwacht Oberwiesenthal für die gute Organisation der Ausbildungen in der zurückliegenden Zeit.“ meint Susann und verstaut ihre Dienstkleidung in den Rucksack.

Danke auch an den Wohn- und Ferienpark Oberwiesenthal für die hervorragende Bewirtung und Beherbergung.

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