60 Jahre Bergwacht Oberwiesenthal im Deutschen Roten Kreuz

Die Entwicklung eines Rettungsdienstes, insbesondere eines Bergrettungsdienstes, am Fichtelberg ist eng mit der touristischen Erschließung und der Etablierung des Wintersports an Sachsens höchsten Gipfel verbunden. So verwundert es nicht, dass die historischen Anfänge eines Bergrettungsdienstes so alt sind wie der Wintersport in Oberwiesenthal selber.

Einigen sehr engagierten Mitarbeitern der Wetterwarte auf dem Fichtelberg ist es zu verdanken, dass nach den Wirren des zweiten Weltkrieges ein neues Hilfeleistungssystem vor Ort entstand und qualifizierte Einsatzkräfte ausgebildet wurden. Die Namen unserer ehemaligen Kameraden wie Rudi Hieke, Hermann Lohr, Walter Förster und Helga und Horst Gäbler sind unmittelbar damit verbunden.

Der Ruf nach einer professionellen Bergrettung wurden lauter. Am 20.09.1956 war es dann endlich soweit, in der Wetterwarte auf dem Fichtelberg wurde die erste DRK-Gruppe, bestehend aus sechs Mitarbeiter der Station und zwei Angestellten des Fichtelberghauses gegründet. Mit primitivsten Mitteln zur Bergung der Verletzten, zum Beispiel mit einem Notschlitten aus zwei Paar Holzskiern wurden die ersten Verletzten ins Tal gebracht. Da es zu dieser Zeit noch keine Schmerzmittel gab, trug jeder der Bergretter eine Flasche hochprozentiges bei sich, um mit einem kräftigen Schluck aus der Flasche, die Schmerzen erträglicher zu machen und den ersten Schock zu überwinden. Nicht selten dauerten die Einsätze unter schwierigen Bedingungen mehrere Stunden. Heutzutage undenkbar!

Dieses Jubiläum ist sicher nicht alltäglich und bietet einen schönen Anlass ehrenamtlichen Mitgliedern für ihr großes Engagement sowie deren ständige Einsatzbereitschaft recht herzlich zu danken.

Was wäre der Kurort Oberwiesenthal ohne unsere Bergwacht?

Sei es bei der Absicherung des Skibetriebes, bei der Unterstützung von Sportveranstaltungen im Profi- und Amateurbereich, oder auch bei der Ausrichtung von Ortsfesten, mit unserer Bergwacht kann man immer rechnen.

Durch die Weiterentwicklung des Skigebietes im Bereich der Aufstiegshilfen, nahmen die Gästezahlen rapide zu. In den Jahren 1968 bis 1978 entstanden fünf neue Schlepplifte. In dieser Zeit wurde auch in die Ausrüstung und Bergungstechnik unserer Kameraden investiert. Am 18.12.1968 wurden sechs sogenannte Toboggans zur Bergung übergeben. 1973 wurden die Kameraden mit einheitlicher Kleidung, bestehend aus einem orangefarbenen Laufanorak sowie schwarzen Kniebundhosen ausgestattet. Um die Kommunikation während der Einsätze zu verbessern, wurde zu Beginn der 1980 -iger Jahren Funkgeräte eingeführt.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Bergwacht war die Anschaffung zweier Motorschlitten, welche die Bergung viel einfacher und schneller machten. Durch die Einführung des ersten Nachtskilaufes im Winter 1981 erhöhte sich die Attraktivität des Skigebietes nochmals. Zu diesem Zeitpunkt zählte Oberwiesenthal bereits 110.000 Urlauber und 500.000 Tagestouristen pro Wintersaison.

Die Anforderungen an unsere Bergwacht sind stetig gestiegen, weshalb man über eine neue moderne Station am Fuße des Hauptskihangs nachdachte.

Durch eine beachtliche Eigenleistung unserer Kameradinnen und Kameraden, sowie durch Fördermittel und die Unterstützung der Stadt Oberwiesenthal war es zur Jahrtausendwende endlich soweit, wir konnten unser neues Domizile beziehen. Die neue Station bot zum damaligen Zeitpunkt hervorragende Bedingungen, um die Verunglückten schnell und kompetent zu versorgen.

Mittlerweile sind die Räumlichkeiten bis auf den letzten Meter erschöpft und ein Erweiterungsbau, zu dem es konkrete Vorstellungen gibt, ist erforderlich. Leider ist derzeit die Finanzierung noch unklar, so dass es sicherlich noch einige Zeit dauern wird, bis wir von optimalen Arbeitsbedingungen sprechen können.

Derzeit gehören der Bergwacht Oberwiesenthal 34 aktive Kameradinnen und Kameraden an. Die derzeitige Jugendgruppe besteht aus 15 Interessenten. Aktuell werden zudem fünf Anwärter für die Bergwachtprüfungen vorbereitet.

Unschwer lässt sich daran erkennen, dass in die Zukunft der Bergwacht Oberwiesenthal investiert wird. Positiv hervorzuheben ist auch die in den letzten zwei Jahren gewachsene Zusammenarbeit mit der Bergwacht (Horska Sluzba) des benachbarten Keilberges und der benachbarten Bergwachten im Erzgebirge. Mit diesen findet ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch statt, um stets mit den modernsten Standards, sowie neusten Bergetechniken vertraut zu sein. Nur dadurch ist es uns möglich, die ca. 300 Einsätze jährlich zu bewältigen.

Der besondere Dank gilt den ehrenamtlich tätigen Kameradinnen und Kameraden. Ein solches Ehrenamt ist nur mit sehr hohem zeitlichem Einsatz möglich. Danke aber auch an die Familien der Kameradinnen und Kameraden die viel Toleranz aufbringen um Ihren Angehörigen dieses „Hobby“ zu ermöglich.

Wir wünschen allen aktiven Kameradinnen und Kameraden, dass sie immer wieder gesund von ihren Einsätzen zurückkehren und weiterhin viel Freude in ihrem Ehrenamt haben.

→ Genaue Informationen zur Entwicklung der Hilfsorganisationen Oberwiesenthals, speziell aber der Bergwacht, können sie im Buch „Immer Hilfsbereit“ von Helga Gäbler nachlesen (ISBN 978-3-941394-03-2)

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